Deutscher Gewerkschaftsbund

Schlechtes Gefühl

Liebes Team. Ich bin nun seit August in meiner Praxis. Leider fühl ich mich immer unwohler.
Ich werde ständig von meinen Kollegen angemacht. Mal hab ich dies vergessen und mal das nicht ordentlich gemacht. Außerdem hat unsere Praxis nun vor kurzem ein anderer Chef übernommen. Die drei letzten Azubis haben unter dem alten Arzt gelernt und arbeiten auchnoch hier. Allerdings ist mein Chef viel humaner. Er macht viele Kleinigkeiten möglich. Zb darf ich ihn ab und zu auf Hausbesuche begleiten oder darf ihn bei wichtigen Fragen auch während der Sprechstunde ansprechen. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Leider gefällt das meinen kollegen garnicht und grade unsere zuletzt ausgelernte Mitarbeiterin regt sich ständig über meine 'Bevorzugung' auf. Ich bin der Meinung, fragen kostet nichts. Und mein Chef macht vieles möglich. Wenn andere nicht so offen zu ihm sind kann ich doch nichts dafür. Leider Krieg ich das immer ab. Und meine Kollegen danken es mir mit Aufgaben wie putzen und putzen und putzen. Ich soll mich nicht beschweren weil Lehrjahre sind keine Herrenjahre, da gehört das dazu. Mit meinen Kollegen kann man auch überhaupt nicht Reden. Ich bin verzweifelt..

Jackie: 10.01.2018 23:01:23 |
  • RE: Schlechtes Gefühl

    Hallo Jackie,

    Danke für deine Anfrage im Forum.
    Ich finde es toll, dass du ein gutes Verhältnis zu deinem Chef hast. Leider stimmt das Klima mit deinen KollegInnen nicht ganz so.
    Reiberein am Arbeitsplatz gibt es häufiger als du denkst. Du schreibst, dass dich deine Kolleginnen oft putzen lassen. Das ist nicht in Ordnung. Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Wenn die ausbildungsfremden Tätigkeiten Überhand nehmen, solltest du dich wehren, denn dann ist das Erreichen deines Ausbildungsziels gefährdet.

    In einem ersten Schritt solltest du dir überlegen, ob es Sinn macht, ganz konkret mit deinen Kolleginnen über das Problem zu sprechen. Das ist sicher nicht ganz angenehm, aber es ist immer besser, Probleme ganz direkt anzusprechen. Wenn es dir leichter fällt, könntest du auch deinen Chef bitten, mit in das Gespräch zu kommen. Dein Ausbilder hat dir gegenüber eine Fürsorgepflicht (§13 Berufsbildungsgesetz). Das bedeutet, dass er dich vor Anfeindungen und Mobbing beschützen muss.
    Bereite dich gut auf das Gespräch vor. Sprich mit deiner Familie und deinen Freunden darüber. Diese Dinge solltest du dir vorher überlegen:
    • Schlafe erstmal eine Nacht über die ganze Sache und mach deinem Ärger nochmal Luft bei jemanden, dem du vertraust. Du kannst das Gespräch auch mit einer Freundin nochmal durchgehen und dich auf gewisse Gesprächssituationen vorbereiten.
    • Was soll sich für dich verbessern?
    • Du kannst eine Pro & Contra Liste machen, in der du alle positiven Dinge im Team neben die Dinge stellst, die du verbessern möchtest.
    • Was ist dein Wunsch an dieses Gespräch?
    • Überlege dir auch, mit wem es sinnvoll ist, das Gespräch zu führen (vielleicht nur mit einer Kollegin oder mit allen zusammen an einem runden Tisch) und mache dir Gedanken, wen du zur Unterstützung mit in das Gespräch nehmen könntest, denn es ist wichtig, dass du dich im Gespräch sicher fühlst.
    • Vereinbare einen konkreten Termin mit deinem_rGesprächspartner_in. Stelle vorher sicher, dass sie Zeit hat/haben und ihr ungestört sprechen könnt.
    • Überlege dir gute Argumente. Was könnte auch deinen Kolleginnen etwas bringen? Ein Argument für einen höflichen Umgang kann sein, dass im Team besser und produktiver gearbeitet werden kann, wenn sich alle positiv begegnen.
    • Welche Kompromisse kannst du dir vorstellen, falls dein_eGesprächspartner_in nicht auf alle deine Wünsche eingeht?
    • Überlege dir konkrete Lösungsvorschläge, um deine Situation im Betrieb zu verbessern. (Bsp.)
    • Und keine Panik! Wenn du nervös bist, das ist ganz normal.
    Wenn du in das Gespräch gehst, bleib ruhig und sachlich.
    • Formuliere zuerst, worum es dir geht.
    • Sage klar, was dich stört. Verzichte aber auf Anklagen und bleibe bei dir und nenne Beispiele für Situationen, in denen du dich ungerecht oder schlecht behandelt gefühlt hast.
    • vermeide Verallgemeinerungen! „Ihr hackt immer auf mir rum“ Sage stattdessen konkret, wann du dich schlecht behandelt gefühlt hast. Sage dabei auch, wie es dir mit der Situation geht.
    • Nenne deine Argumente und Verbesserungsvorschläge!
    • Fasse am Ende alle wichtigen Punkte, auf die ihr euch geeinigt habt, nochmal kurz zusammen. Und einigt euch auf weitere Schritte. Du kannst auch gleich einen Termin für ein weiteres Gespräch ausmachen, falls ihr nochmal sprechen müsst.
    Nach dem Gespräch solltest du ein bisschen Geduld haben. Beobachte genau, ob sich etwas verändert. Wenn nicht, dann solltest du dir Unterstützung holen. Z.B. bei deiner Gewerkschaft vor Ort. Hier ist ein Kontakt:

    Ver.di Geschäftsstelle Braunschweig
    Wilhelmstr. 5
    38100 Braunschweig
    Tel.: 0531/24408-0
    E-Mail: service-sued.nds-hb@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch
    ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!
    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 12.01.2018 09:56:38


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