Deutscher Gewerkschaftsbund

Problem in der Ausbildung

Hallo,
ich bin in der Ausbildung zur Altenpflegerin und habe auch noch 3 Monate Probezeit.
Ich habe seit längerem ein Problem. Und zwar werde ich einmal in der Berufsschule gemobbt von Mitschülern. Jegliche Gespräche mit Lehrern, Schulleitung und der Heimleitung meines Hauses halfen nichts. Die Mitschüler haben alles so vertuscht als ob ich das böse wäre dabei bin ich das Opfer und das sehen die zwei einzigen aus meiner Klasse die mich mögen auch so. Aber all das bringt nichts, Lehrer sowie Mitarbeiter sind sich sicher, dass das Problem bei mir liegt. Zu dem ganzen kommt dann noch, dass meine Wohnbereichsleitung der Meinung ist mich rausschmeißen zu wollen. Ich sei ihm zu Unmotiviert und er findet dass die Ausbildung noch zu früh für mich wäre. (Kurze erläuterung, ich MUSS 1 Stunde Pause machen und ich konnte wegen dem ganzen Stress keine machen also hab ich mich wo nichts los war 5 Minuten hingesetzt und das war offensichtlich falsch).
Ich fühle mich jetzt auch auf der Arbeit richtig mies behandelt, zumindest von den höher stehenden Mitarbeitern also die, die etwas zu sagen haben. Ich habe das Gefühl sie wollen mich da raus ekeln.. In der Schule bin ich schon mit einem schlechten Gefühl hingegangen und jetzt auch noch zur Arbeit. Ich wurde Privat von meinem Freund Misshandelt und hatte deswegen gesundheitliche Probleme die aber offensichtlich komplett ignoriert werden. Ich als Azubi arbeite ihnen zu langsam.. eigentlich dürfte ich noch nicht mal alleine jemanden waschen..

Ich weiß echt nicht mehr weiter. Jeden morgen rappel ich mich um 3 Uhr in der früh auf um pünktlich in der Schule/auf der Arbeit zu sein. Ich gebe mein bestes und Häuser oder Schule wechseln geht auch nicht da diese wirklich außer Reichweite sind, Bitte helfen sie mir!! Ansonsten muss ich meinen Traumberuf schmeißen da ich sehr stark mit den Nerven zu kämpfen hab..

Vielen dank für die Hilfe..

Lena: 29.12.2017 20:51:38 |
  • RE: Problem in der Ausbildung

    Hallo Lena,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Ich kann gut verstehen, dass du verzweifelt bist und es ist gut, dass du dir Hilfe suchst.

    Zunächst einmal finde ich es gut, dass du versucht hast, die Mobbing-Situationen in der Schule zu regeln, indem du mit allen Beteiligten das Gespräch gesucht hast. Du hattest damit zwar keinen unmittelbaren Erfolg, aber immerhin hast du zwei Freundinnen und du solltest weiterhin dafür kämpfen, dass du fair und respektvoll behandelt wirst.
    Es ist auf jeden Fall sehr wichtig, dass du dich gegen den psychischen Druck wehrst, denn dadurch verlierst du ja nicht nur alle Freude an deinem Traumjob, sondern Mobbing macht auf Dauer auch Krank! Hier sind ein paar Tipps für dich:

    1. Es ist wichtig, dass du mit Menschen deines Vertrauens über deine Probleme am Ausbildungsplatz sprichst. Wenn du es nur runterschluckst werden sich die Erfahrungen bald auf deine Seele oder deinen Körper auswirken, z. B. Schlafstörungen, Depressionen, Magen-Darmprobleme.

    2. Du solltest sofort anfangen, ein Tagebuch über die Vorkommnisse zu führen. Wer hat was, wann zu wem gesagt und wer war noch dabei? Oder wer hat wann was getan und wer war noch dabei? Schreib dir alles möglichst genau auf. Auf dieses Tagebuch kannst du dann später zurückgreifen, es kann sehr nützlich sein, wenn du dich wehren willst.

    3. Du solltest möglichst früh Stellung beziehen, wenn du mit dem Verhalten von Kollegen oder Vorgesetzten dir gegenüber oder auch gegenüber anderen nicht einverstanden bist. Sage klar und deutlich, wenn du etwas nicht in Ordnung findest und benenne genau, was es ist! Denn so verschaffst Du Dir Respekt.

    4. Bitte die Person zu einem Gespräch. Überlege dir vor dem Gespräch einige Situationen und Beispiele, in denen das Verhalten der Person besonders verletzend und offensichtlich war. Beginne in dem Gespräch deine Sätze mit „Ich“. Sage also nicht: „Sie kritisieren mich ständig!“ sondern „Ich fühle mich ständig von Ihnen kritisiert und oft empfinde ich die Kritik als nicht gerechtfertigt!“. Versuche sachlich und selbstkritisch zu bleiben. Das Gespräch solltest du nicht alleine führen. Es ist sehr empfehlenswert, eine Person deines Vertrauens oder bestenfalls ein Betriebsratsmitglied mitzunehmen. Es ist auch empfehlenswert, das Gespräch zu protokollieren.

    5. Dein Ausbilder hat dir gegenüber eine Fürsorgepflicht; d.h. er hat die Pflicht dich vor seelischer und körperlicher Gefährdung zu schützen. Er muss deine Anliegen ernst nehmen und du kannst ihn um Hilfe bitten. Diese Möglichkeit solltest du unbedingt auch in Anspruch nehmen. Falls dein Ausbilder dein Anliegen nicht ernst nimmt, kann das für dich auch ein Kündigungsgrund darstellen.

    6. Mobbing macht krank. Von daher ist es nicht verwunderlich, falls du unter psychosomatischen Problemen wie Schlafstörungen, Magen-/Darmprobleme, Herz-/Kreislaufprobleme oder unter psychischen Problemen wie Weinkrämpfe, depressive Verstimmungen, Angstsymptome leidest. Wenn die Belastung zu groß wird, solltest du einen Arzt aufsuchen und dich krankschreiben lassen.

    7. Falls dein Betrieb dich loshaben will und dir grundlose Abmahnungen erteilt oder dich kündigt, solltest du schnell reagieren und dich zur Wehr setzen. Hole dir hierbei auf jeden Fall Hilfe bei deiner zuständigen Gewerkschaft. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di Geschäftsstelle Saarbrücken
    St.-Johanner-Straße 49
    66111 Saarbrücken
    Tel.: 0681/98849-0
    E-Mail: bz.saar-trier@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    8. Solltest du weitergehende Hilfe in Anspruch nehmen wollen, gibt es eine Übersicht für Mobbingberatungsstellen unter folgendem Link: http:/​/​www.work-watch.de/​2012/​10/​hilfestellung-bei-mobbing/​

    Du schreibst, dass du keine Möglichkeit bekommst, deine Pause zu nehmen. Da du noch minderjährig bist, steht dir eine Stunde Pause bei einem Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden zu (§11 Jugendarbeitsschutzgesetz). Arbeitspausen sind einerseits aus biologischen Gründen notwendig, andererseits dienen sie dazu, Überlastung und Unfallrisiken zu vermeiden.
    Du solltest deshalb nochmal mit deinem Ausbilder sprechen. Bereite dich gut auf das Gespräch vor. Sprich mit deiner Familie und deinen Freunden darüber. Diese Dinge solltest du dir vorher überlegen:
    • Schlafe erstmal eine Nacht über die ganze Sache und mach deinem Ärger nochmal Luft bei jemanden, dem du vertraust.
    • Was soll sich für dich verbessern?
    • Du kannst eine Pro & Contra Liste machen, in der du alle positiven Dinge der Ausbildung neben die Dinge stellst, die du verbessern möchtest.
    • Was ist dein Wunsch an dieses Gespräch?
    • Überlege dir auch, mit wem es sinnvoll ist, das Gespräch zu führen (Ausbilder_in, Personalabteilung, Kolleg_in) und mache dir Gedanken, wen du zur Unterstützung mit in das Gespräch nehmen könntest, denn es ist wichtig, dass du dich im Gespräch sicher fühlst. (JAV, Betriebsrat, Eltern, Kolleg_innen, Mit-Azubis etc.)
    • Vereinbare einen konkreten Termin mit deinem_r Gesprächspartner_in. Stelle vorher sicher, dass er/sie Zeit hat und ihr ungestört sprechen könnt.
    • Überlege dir gute Argumente. Was könnte auch deinem_r Ausbilder_in etwas bringen? Ein Argument für die Einhaltung deiner Pausen kann sein, dass du danach wieder erholt und leistungsfähig bist.
    • Welche Kompromisse kannst du dir vorstellen, falls dein_e Gesprächspartner_in nicht auf alle deine Wünsche eingeht?
    • Überlege dir konkrete Lösungsvorschläge, um deine Situation im Betrieb zu verbessern.
    • Und keine Panik! Wenn du nervös bist, das ist ganz normal.
    Wenn du in das Gespräch gehst, bleib ruhig und sachlich.
    • Formuliere zuerst, worum es dir geht.
    • Sage klar, was dich stört. Verzichte aber auf Anklagen und bleibe bei dir und nenne Beispiele für Situationen, in denen deine Rechte nicht beachtet wurden.
    • vermeide Verallgemeinerungen! „Ich mache immer Überstunden“ Sage stattdessen konkret, wann du z.B. Überstunden gemacht/dich schlecht behandelt gefühlt/ hast. Sage dabei auch, wie es dir mit der Situation geht.
    • Nenne deine Argumente und Verbesserungsvorschläge!
    • Fasse am Ende alle wichtigen Punkte, auf die ihr euch geeinigt habt, nochmal kurz zusammen. Und einigt euch auf weitere Schritte. Du kannst auch gleich einen Termin für ein weiteres Gespräch ausmachen, falls ihr nochmal sprechen müsst.
    Nach dem Gespräch solltest du ein bisschen Geduld haben. Beobachte genau, ob sich etwas verändert. Wenn nicht, dann solltest du dir Unterstützung holen. Z.B. bei deiner Gewerkschaft vor Ort.

    Du schreibst, dass du noch in der Probezeit bist. In der Probezeit kannst du laut Berufsbildungsgesetz ohne die Angabe von Gründen fristlos gekündigt werden. Du solltest also in der Probezeit sehr vorsichtig mit Kritik am Betrieb sein. Dir ist bereits zu Ohren bekommen, dass dich ein Chef nach der Probezeit nicht weiter ausbilden möchte. Deshalb solltest du dich zur Sicherheit nach einem neuen Ausbildungsplatz umsehen. Hole dir dazu Hilfe von Vertrauenspersonen oder auch bei der Agentur für Arbeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 30.12.2017 23:35:12


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