Deutscher Gewerkschaftsbund

Unterbrechung der Umschulung wegen Depressionen

Hallo,
ich befinde mich in einer für mich sehr schwierigen Situation was meine Umschulung angeht und hoffe hier Hilfe zu bekommen.

Ich leide seit über 10 Jahren an immer wiederkehrenden Depressionen. Aus dem Grund würde mir vor 1,5 Jahren eine Umschulung bewilligt.
Ich habe ein behindertes, mittlerweile erwachsenes, Kind und habe zudem im sozialen Bereich mit Menschen mit Behinderung gearbeitet.
Die Thematik Behinderung zu Hause und im Berufsleben zu haben war irgendwann zu viel für mich.
Deswegen dann die Bewilligung für die Umschulung.

Ich bin jetzt seit etwas mehr als einen Jahr in Vollzeit dabei die Umschulung zu machen und anfangs lieg auch alles soweit gut.
Mein Sohn war im betreuten Wohnen gut untergebracht und ich war dabei wieder zu lernen auch für mich da sein zu können.

Dann kam vor 9 Monaten bei meinem Sohn der Wunsch auf umzuziehen in unseren alten Wohnort ca 100 Km entfernt. Zu dem Zeitpunkt war ich selbst schon ein gutes Jahr wieder in der alten Heimat.
Mein Sohn wollte damals nicht mit zurück, aber vor gut 9 Monaten dann halt doch.

Ab dem Zeitpunkt habe ich als Mutter und gesetzliche Betreuerin natürlich alles in die Hand genommen und geregelt. Das heißt mit Behörden, Werkstätten und dem Wohnforum korrespondieren.
Nebenbei meine Umschulung in Vollzeit, sowie Haus und Garten und und und geregelt.

Leider habe ich dabei nicht erkannt, dass ich dadurch wieder kontinuierlich in eine schwere depressive Phase gerutscht bin.
Es fing mit vermehrten Krankheitstagen an und endete damit fas ich im August vier Wochen am Stück krankgeschrieben war...kurz für eine Woche wieder da war um mehr schlecht als Recht die Zwischenprüfung zu schreiben...um dann nochmal für 5 Wochen auszufallen wovon ich 4 Wochen in einer Klinik für Psychosomatik auf der Akutstation war.

Die ganzen Wochen kam von meiner Fallmanagerin und Ausbilderin nur Druck dass ich möglichst schnell wieder da sein muss, sonst werde ich aus der Umschulung geschmissen und das war es dann.

Das hat bei mir zusätzlich enormen Druck ausgeübt und die letzten fünf Wochen mit Klinikaufenthalt haben somit nicht wirklich geholfen.
Seit vier Tagen bin ich wieder zu Hause und soll morgen wieder in die Umschulung starten.
Ich fühle mich aber alles andere als in der Lage das jetzt zu bewältigen. Schon allein der ganze Schulstoff der mir fehlt erscheint mir als ein riesen Berg den ich nicht bewältigen kann

Nun aber endlich zu meiner Frage. Was ist wenn ich es jetzt einfach nicht schaffe weiterzumachen? Ist dann eine Unterbrechung statt einem Abbruch möglich? Und wenn ja wie gehe ich dann vor?
Gespräch mit der RV? Wovon lebe ich falls eine Unterbrechung möglich sein sollte?

Ich hoffe sehr, dass Sie mir weiterhelfen können.
Für mich wäre es sehr schlimm wenn ich die Umschulung nicht abschließen kann.

Liebe Grüße

Toni: 12.11.2017 12:02:20 |
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  • RE: Unterbrechung der Umschulung wegen Depressionen

    Hallo Toni,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Ich finde es sehr bewundernswert, wie du deine Familie organisierst und dazu noch eine Umschulung machst. Das verdient erstmal Anerkennung!

    Bzgl. deiner Umschulung solltest du dir erstmal keine allzu großen Sorgen machen: Du kannst nicht wegen Krankheit gekündigt werden. Denn der Gesetzgeber sieht eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall vor (§3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse. Das Ausbildungsverhältnis bleibt dabei bestehen. Die Höhe des Krankengeldes berechnet sich nach deiner Vergütung und liegt etwa bei 80%. Wende dich dazu an deine Krankenkasse und sprich auch mit deinem Arzt darüber. Ich gehe davon aus, dass dich dein Arzt für die Dauer deiner Genesung krank schreiben wird.

    Die Beratung in diesem Forum basiert auf dem Berufsbildungsgesetz. Das greift leider nur für klassische duale Berufsausbildungen. Umschulungen sind dabei nicht inbegriffen. Deshalb kann ich dir die Frage, ob du die Ausbildung an dem Punkt, an dem du sie unterbrechen musstest, wieder aufnehmen kannst, nicht verbindlich beantworten.
    Du solltest dich an deineN SachbearbeiterIn bei der Agentur für Arbeit, die zuständig für deine Umschulung ist, wenden und ihr die Situation schildern und fragen, an welchem Punkt du die Umschulung wieder aufnehmen kannst.
    Es ist nicht in Ordnung von deiner Vorgesetzten, wenn sie dich unter Druck setzt und dir indirekt mit einer Kündigung droht. Das setzt dich nur zusätzlich unter Druck und verlangsamt deine Genesung.

    Ich möchte dir an dieser Stelle raten, dich so schnell wie möglich um dich und deine Gesundheit zu kümmern und die Ausbildung erstmal hinten an zu stellen. Sprich mit deiner Sachbearbeiterin bei der Arge und bitte sie um Unterstützung. Du musst das nicht alles alleine machen.

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di Geschäftsstelle Husum/Nordsee
    Süderstr. 46
    25813 Husum/Nordsee
    Tel.: 04841/8946-0
    E-Mail: bz.westkueste@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 14.11.2017 10:59:36


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