Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildungsbetriebswechsel

Schönen guten Abend,

Ich heiße Hannes bin 19 Jahre alt und im 2. Lehrjahr als Groß-und Außenhandelskaumann.

Meine Freundin ist kürzlich weggezogen und wir würden gerne zusammenziehen.
Problem nur dass mein Ausbildungsort 2 Stunden entfernt ist.
Da habe ich mir gedacht ich wechsel meinen Ausbildungsbetrieb.
Meine Frage ist es jetzt wie ich am besten Kündige und mit welcher Begründung, wenn sich nicht auf einen Aufhebungsvertrag geeinigt wird.

Hannes: 11.10.2017 19:39:26 |
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  • RE: Ausbildungsbetriebswechsel

    Hannes: 11.10.2017 19:39:26

    Hallo Hannes,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Ich kann gut verstehen, dass du der Liebe wegen, den Ausbildungsplatz wechseln möchtest.

    Zuallererst musst du aber einen neuen Ausbildungsplatz an deinem potentiellen neuen Wohnort finden. Dazu kannst du im Internet nach freien Stellen recherchieren oder auch bei der Agentur für Arbeit fragen, ob sie freie Stellen in deinem Beruf wissen.
    Wenn du dann einen neuen Betrieb gefunden hast, dann kannst du dich daran machen, den alten Betrieb zu verlassen.
    Bei einem Umzug raten wir Azubis immer, den Betrieb schon mal vorzuwarnen. Wenn du ein gutes Verhältnis zu deinem Ausbilder hast, dann kannst du ihm ja erzählen, dass deine Freundin weggezogen ist und weil du sie so vermisst, du dir jetzt auch überlegst, umzuziehen. Damit bereitest du den Betrieb schon mal schonend auf deinen Weggang vor und die Chancen, dass der Aufhebungsvertrag unterschrieben wird, steigen.
    Unsere Erfahrung zeigt, dass es ganz selten bei einem Umzug Probleme mit dem Aufhebungsvertrag gibt, weil jeder Ausbilder das verstehen kann.
    Sollte es in deinem Fall doch Probleme geben, kannst du unter folgenden Umständen fristlos kündigen:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat, sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.
    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen! Denn wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.

    Wir raten dir in diesem Fall, dich an deine Gewerkschaft vor Ort zu wenden. Hier ist ein Kontakt:

    Ver.di Geschäftsstelle Potsdam
    Konrad-Wolf-Allee 1-3
    14480 Potsdam
    Tel.: 0331/275740
    E-Mail: bezirk.potsdam@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 12.10.2017 19:21:59


  • RE: Ausbildungsbetriebswechsel

    Schönen guten Abend Dr. Azubi,

    Als erstes möchte ich mich für die schnelle Antwort bedanken.

    Aber ich habe noch eine offene Frage.
    Die da wäre:
    Wenn mein Betrieb einen Aufhebungsvertrag nicht zustimmen sollte und ich nicht fristlos kündigen kann(da keine Verstöße vorliegen) habe ich,dann keine andere Möglichkeit mehr doch noch den Betrieb zu wechseln?

    Hannes: 12.10.2017 19:29:57


  • RE: Ausbildungsbetriebswechsel

    Hallo Hannes,
    bitte entschuldige, dass die Antwort diesmal so lange auf sich hat warten lassen.

    Nun aber zur Frage welche Möglichkeiten du hast den Betrieb zu verlassen.
    So wie du die Situation beschreibst kommt eine außerordentliche Kündigung nicht in Frage, da es keine Probleme mit deinem Ausbildungsbetrieb gibt.
    Falls der Betrieb wirklich keinen Aufhebungsvertrag unterschreiben will gibt es vielleicht noch folgende Möglichkeit. Vielleicht kommt doch eine ordentliche Kündigung infrage. Dafür solltest du vorher aber einiges klären!

    Bei einer ordentlichen Kündigung ist einiges zu beachten.
    So muss zum Zeitpunkt der Kündigung der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe vorliegen. Deshalb sollte man diese Kündigung nicht verwenden, wenn man nur den Ausbildungsplatz wechseln will. Wenn du ordentlich kündigst aber nur den Ausbildungsplatz wechseln willst und dein ehemaliger Betrieb dahinter kommt, kann er dich unter Umständen auch Schadensersatz verklagen. Zudem kann es zu Problemen mit der zuständigen Kammer beim Eintragen deines neuen Ausbildungsverhältnisses kommen. Beides beziehst sich allerdings ehr auf einen Wechsel innerhalb der ursprünglichen Region. Somit sollte dies also kein Problem sein. Dennoch solltest du bei der zukünftigen Kammer klären, damit mit der Eintragung des Ausbildungsvertrages alles in Ordnung geht.

    Unabhängig von der Kündigungsart stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, auf die du dir einen Anspruch erworben hast, zum Beispiel Restgehalt, Urlaubsansprüche die ausbezahlt werden müssen, Arbeitszeugnis.
    Hier findest du eine Vorlage für eine ordentliche Kündigung:

    Adresse Azubi
    Adresse Betrieb

    Ort/Datum

    Ordentliche Kündigung

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    hiermit kündige ich mein Ausbildungsverhältnis nach § 22 Abs. 2 Nr. 2 Berufsbildungsgesetz mit vier Wochen Frist zum ________(Datum eintragen, das in vier Wochen sein wird), weil ich meine Berufsausbildung aufgeben will.

    Mit freundlichen Grüßen,
    ____________(Unterschrift Azubi)

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Die Kolleg_innen kennen sich Arbeitsrecht sehr gut aus und können dich konkret dabei unterstützen wie nun am besten vorzugehen ist.

    Ver.di Geschäftsstelle Potsdam
    Konrad-Wolf-Allee 1-3
    14480 Potsdam
    Tel.: 0331/275740
    Fax: 0331/2757411
    E-Mail: bezirk.potsdam@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....
    (Generell gilt: Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand. Daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten. Schließlich treten immer wieder Probleme im Arbeitsleben auf, wie du merkst leider sogar schon während der Ausbildung. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.)

    Alles Gute und viel Erfolg für den Wechsel!
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße,
    Dr. Azubi


    P.S.: Bitte empfehle unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 18.10.2017 14:11:23


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