Deutscher Gewerkschaftsbund

Arbeiten nach Berufsschulunterricht (Ü18)

Guten Tag,
ich bin 24 Jahre alt und habe vor einem Monat die Ausbildung zur TFA begonnen. Jetzt stellt sich mir (und ebenso meinem Chef) die Frage, ob ich nach der Berufsschule noch arbeiten muss.

Die Arbeitszeiten (inkl Berufsschulzeiten) sehen wie folgt aus:

Montags 8:15-12:00 und 15:00-19:00
Dienstags 8:15-12:00 und 15:00-19:00
Mittwochs Berufsschule von 8:00-15:00
(Betriebszeit ist von 8:15-12)
Donnerstags Berufsschule von 8:00-15:00
(Betriebszeit ist wie Mo. und Di.)
Freitags 8:15-12:00 und 15:00-18:00

Rechnet man alle Stunden/Woche ohne Berücksichtigung von Überstunden zusammen (und die ergeben in der Regel täglich mind. 1 Stunde), so kommt man auf "nur" 37 Stunden - vertraglich vereinbart sind 40 Stunden.
Logisch wäre für mich, wenn ich - abzüglich der Wegzeit von Berufsschule zur Arbeitsstelle (etwa 30min) an einem Berufsschultag (demnach Donnerstags) noch 2,5 Stunden in den Betrieb muss.

Der Tag würde dann wie folgt aussehen:
Donnerstag 8:00-15:00 Berufsschule
15:00-15:30 Wegzeit zum Betrieb
15:30-18:00 Arbeitszeit im Betrieb

An diesem Tag käme ich dann allerdings im Umkehrschluss auf 10 Stunden ohne Pause (da die Pausen in der Berufsschule sowie die Wegzeit als Arbeitszeit angerechnet werden, wenn ich das richtig verstanden habe).

Wie ist dieser Fall also nun zu handhaben? Und wann und wie werden Überstunden dabei berücksichtig, die im Vorfeld ja nicht kalkulierbar sind?

Wir haben grundsätzlich eine fünf- statt sechs-Tage-Woche. Werden die Arbeitszeiten trotzdem für eine sechs-Tage-Woche berechnet, sodass sich die Arbeitszeiten des bei uns nicht gegebenen sechsten Tages auf die fünf Tage verteilen ließe? Sprich, da ich in der sechs-Tage-Woche 48 Stunden arbeiten dürfte, wir aber keinen sechsten Tag haben, können die 8 Stunden auf die fünf Tage verteilt werden und somit nicht als Überstunden gelten? In meinem Vertrag ist zwar eine 40-Stunden-Woche vereinbart (was die Frage eigentlich beantworten sollte), die Erklärungen im Netz sind allerdings etwas irreführend.

Zu guter Letzt: da ich mit über 21 Jahren die Berufsausbildung begonnen habe und somit nicht mehr der Schulpflichtigkeit unterliege, könnte ich mich theoretisch vom Unterricht freistellen lassen und stattdessen im Betrieb arbeiten, oder? Wie kann ich die Voraussetzungen zur Prüfungszulassung erfüllen bzw. vorweisen, ohne am Unterricht teilgenommen zu haben?

Ich freue mich sehr auf Antworten, die vielleicht etwas Licht ins dunkle Paragraphen-Wirrwarr bringen können :-) vielen Dank!

Kiana : 11.10.2017 11:03:23 |
  • RE: Arbeiten nach Berufsschulunterricht (Ü18)

    Hallo Kiana,

    Danke für deine Anfrage im Forum.

    Zur Anrechnung der Berufsschulzeit auf deine Arbeitszeit:
    Du hast alles richtig recherchiert. Du musst aber auch berücksichtigen, dass bei dir zwischen 12 und 15:00 keine reguläre Arbeitszeit stattfindet. Demnach muss dir die Berufsschulzeit zwischen 12 und 15:00 auch nicht unbedingt als Arbeitszeit angerechnet werden. Allerdings ist das auch ein bisschen gemein. Du musst deinen Chef ja nicht unbedingt darauf aufmerksam machen.
    Es ist möglich, dass du nach der Berufsschule noch in den Betrieb kommst. Da du bereits über 18 bist, darfst du täglich bis zu 10 Stunden arbeiten. Allerdings steht dir nach der Berufsschule eine Pause zu. Die solltest du auch in Anspruch nehmen, um nach der Schule fit für die Arbeit zu sein. An diesem Tag machst du dann theoretisch 2 Überstunden (wenn man nicht berücksichtigt, dass die Zeit zwischen 12 und 15:00 nicht angerechnet werden muss). Diese werden auf deine wöchentliche Arbeitszeit gerechnet und du müsstest dadurch auf 39 Stunden kommen. Sollten zusätzliche Überstunden dazu kommen, dann müssen die natürlich auch angerechnet werden und entweder in Freizeit oder Vergütung ausgeglichen werden.

    Du hast vertraglich mit deinem Betrieb eine 40-Stunden-Woche vereinbart. Durch eure Betriebszeiten kannst du aber nicht auf 40 Stunden kommen. Das ist nicht deine Schuld und eigentlich muss dein Ausbilder die vertraglich vereinbarte Ausbildungszeit zur Verfügung stellen. Kann er das nicht, dann muss er sich entweder Aufgaben für dich ausdenken, oder den Vertrag im Nachhinein korrigieren.

    Zu deiner Frage mit der 6-Tage-Woche. Du darfst theoretisch und gesetzlich legal 48 Stunden die Woche arbeiten, jedoch hast du einen 40 Stunden Vertrag und der gilt in deinem Fall und danach richtet sich auch deine wöchentliche Arbeitszeit.

    Du bist bereits über 21, das befreit dich aber nicht vom Berufsschulunterricht! Deine Ausbildung besteht aus zwei Teilen: dem betrieblichen Teil, der dir alle praktischen Fertigkeiten vermitteln soll und der Berufsschule, die dir die Theorie vermittelt. Du bist gesetzlich dazu verpflichtet in die Berufsschule zu gehen. Das hängt nicht mit der Schulpflicht zusammen sondern mit dem Berufsbildungsgesetz.
    Es gibt aber die Möglichkeit, sich von allgemeinbildenden Fächern (Religion, Deutsch, Sozialkunde) zu befreien, wenn du Abitur hast. Frage dazu mal in deiner Berufsschule nach.

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di Geschäftsstelle Dortmund
    Königswall 36
    44137 Dortmund
    Tel.: 0231/913000-0
    E-Mail: bz.dortmund@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 12.10.2017 10:51:13


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