Deutscher Gewerkschaftsbund

Multifunktionstalent

Hallo Zusammen, ich mache eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten und befinde mich im 3 Ausbildungsjahr.

In meinem Betrieb fühle ich mich recht unwohl.. das liegt aber nicht daran das die Kollegen nicht freundlich mit mit umgehen sondern viel mehr darin, dass ich ständig von meiner eigl. Arbeit abgehalten werde.
Ich sitze an meinem Arbeitsplatz und bin sehr konzentriert in einer Buchhaltung vertieft dann kommt beispielsweise ein Arbeitskollege zu mir ohne kurz anzudeuten das er was von mir möchte legt er mir Unterlagen auf den Tisch und murmelt zu mir ich solle ihm das kopieren/scannen und mit Abschreiben in dem das und dies rein soll raus schicken. Soweit so gut ABER der Kopierer befindet sich direkt hinter meinem Arbeitsplatz.
Muss ich solche Aufgaben täglich für andere erledigen? Ich mache dies schon 3 Jahre mit aber so langsam nervt es mich vorallem da ich ein Gespräch mit dem Juniorchef hatte in dem er mir sagte dass ich wohl noch fehler mache die mittlerweile funktionieren sollten. In diesem Gespräch hätte ich am liebsten gesagt das durch solche Situationen wie oben beschrieben ich einfach raus komme, aber ich wollte nicht das er den Eindruck bekommt ich sei Überfordert..

Des weiteren werde ich quasi als Spülbeauftragte fest eingeplant. Wir haben weder einen Spülplan noch sonst irgendwas. Die 3 Steuerberater haben es nicht nötig etwas zu spülen denn dafür gibt es ja die normalen Angestellten. Zumindest kommt mir das Verhalten so vor. Nun spüle ich JEDEN Tag seit einem Jahr.. selbst an Berufsschultagen, wenn ich keine Tassen o.ä. Benutzt habe. Meistenteils wird immer etwas gesagt, wenn ich nicht gespült habe. „Ob ich den nicht was vergessen hätte“. Bei zwei Kollegen musste ich immer das Geschier abräumen, da es sehr schwierig erscheint dieses in die Spüle zu legen. Mittlerweile habe ich die schnautze voll und Spüle ausschließlich das was in der Spüle liegt. Der eine Kollege versucht mich seit Tagen dazu zu animieren wenn ich spülen gehe doch vorher bitte zu fragen ob noch jemand etwas zum spülen hat. Ganz ehrlich kann der nicht sein blödes Geschier selber weg bringen?! Ich hatte bisher immer gesagt das sie doch wissen wann ich immer spüle (30min vor Feierabend). Außerdem wenn ich schon immer die jenige bin die da steht und spült können die doch in der lage sein ihr Geschier weg zu bringen, oder bricht man dich da etwa einen Zacken aus der Krone?!

Kann ich mich irgendwie dagegen wehren ohne unverschämt zu sein?

Limi: 10.10.2017 21:54:32 |
  • RE: Multifunktionstalent

    Liebe Limi,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Ich kann deinen Unmut gut verstehen.

    Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Wenn die ausbildungsfremden Tätigkeiten Überhand nehmen, solltest du dich wehren, denn dann ist das Erreichen deines Ausbildungsziels gefährdet. Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest:

    1. Sprich die Situation bei deinem Chef an. Wenn kein Ausbildungsplan erstellt wurde, solltest du verlangen, dass dies so schnell wie möglich nachgeholt wird. Nenne deinem Ausbilder konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen. Schalte außerdem (falls vorhanden) den Betriebsrat ein.

    2. Wenn das Gespräch nichts bringt, solltest du den Ausbilder schriftlich auffordern. Hebe eine Kopie des Schreibens auf.

    Sehr geehrter Herr/Frau ____________,

    laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder/Meister sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:
(Hier müssen mit genauer Datums- und Zeitangeben die ausbildungsfremden Tätigkeiten aufgeführt werden)
Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Unterschrift Azubi ____________

    Außerdem könntest du dich an eine_nAusbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 11.10.2017 09:35:10


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