Deutscher Gewerkschaftsbund

Mein Betrieb will mich loswerden

Hallo,

ich habe folgendes Problem: seit Anfang meiner Ausbildung wird mir sowohl von den Ausbildern als auch von den Azubis gezeigt, dass ich im Betrieb nicht willkommen bin. Ich denke mal sie können es nicht ab, dass ich nur einen Hauptschulabschluss habe, obwohl die Ausbildung eigentlich für Abiturienten vorgesehen ist.
Ich habe mich damit abgefunden, aber in letzter Zeit wird es immer schlimmer. Durch psychische Krankheiten, mit denen ich zu kämpfen habe und die Ablehnung mir gegenüber, haben sich leider bereits 50 Fehltage gesammelt (alle entschuldigt). Meine Krankschreibungen stellt mir ein Allgemeinmediziner aus und im Gespräch mit meiner Ausbilderin habe ich auch angedeutet, dass es mir psychisch einfach nicht gut geht. Das wurde von ihr wohl nach Außen getragen und meine Mitazubis lachen mich aus "höhö wie kann man hier denn Burnout kriegen du Idiot". Von Burnout war nie die Rede und ich finde es sehr traurig, dass meine Ausbilderin Inhalte unserer Termine nicht für sich behalten kann. Ich habe mich nun extern einsetzen lassen und alles lief super! Aber anscheinend hat meine Ausbilderin bei meiner Ausbildungsbeauftragten angerufen und dann wurden mir alle Aufgaben, an denen ich gearbeitet habe, entzogen und ich darf nun den Keller ausmisten, Pakete wegbringen etc. Die Leute hier im externen Einsatz sind extrem auf Distanz und zeigen mir ebenfalls Ablehnung. Ich habe das Gefühl, dass die Ausbilder versuchen, mich loszuwerden. Ich verstehe einfach nicht, warum sie mich nicht in Frieden lassen. Ich mache meine Aufgaben sehr verantwortungsbewusst und führe mein Berichtheft sehr sauber und ordentlich, trotzdem bin ich der Einzige der kritisiert wird. Ich habe bei der Handelskammer den Fall geschildert und von dem Berater dort kam nur: "Sie arbeiten bei einem der größten Betriebe Hamburgs, der für seine fundierte Ausbildung bekannt ist! Ich denke eher, das Problem liegt an Ihnen". Ja, der Ruf meines Unternehmens ist extrem gut. Aber dennoch werden einzelne Leute, die einfach nicht so sind wie die anderen, so behandelt wie ich. Was kann ich denn machen? Ich verzweifle langsam.

HM: 10.10.2017 09:50:32 |
  • RE: Mein Betrieb will mich loswerden

    Lieber HM,

    vielen Dank für dein Vertrauen und deine offenen Worte.

    Jeder kann krank werden und es dürfen keine negativen Folgen daraus resultieren. Für die Dauer und den Zeitpunkt kannst du ja nichts. Deine psychische und physische Gesundheit ist dein wichtigstes Gut. Die Ursachen von psychischem Stress können sehr unterschiedlich sein: zu hohe Arbeitsbelastung, Druck am Arbeitsplatz, Unterforderung bis hin zu fehlender Anerkennung von Vorgesetzten oder private Probleme. Aber auch Mobbing, Gewalt oder sexuelle Belästigung am Ausbildungsplatz können Auslöser psychischer Belastung sein.

    Nicht selten sind Bauchschmerzen, Schlafstörungen oder Energieverlust bis hin zu Depressionen und Burnout Folgen von psychischem Stress. Aber nicht jedes Unwohlsein ist gleich ein Indiz für eine psychische Belastung.
    Wenn die Symptome über einen längeren Zeitraum auftreten, solltest du die Warnsignale ernst nehmen und dir Hilfe von einem fachlich qualifizierten Arzt holen. Konzentriere dich erst einmal darauf, dass es dir bald wieder besser geht und mach dir keine Sorgen wegen deiner Ausbildung. Blöde Kommentare oder

    Druckausübungen von Seiten deines Betriebes sind nicht in Ordnung. Auch ist es nicht in Ordnung, wenn deine Ausbilderin hier Sachen verdreht und Gründe für deine Krankheit nach außen trägt.
    Es ist auf jeden Fall auch sehr wichtig, dass du dich gegen den psychischen Druck wehrst, denn dadurch verlierst du ja nicht nur alle Freude an deinem Traumjob, sondern Mobbing macht auf Dauer auch Krank! Hier sind ein paar Tipps für dich:
    Es ist wichtig, dass du mit Menschen deines Vertrauens über deine Probleme am Ausbildungsplatz sprichst. Wenn du es nur runterschluckst werden sich die Erfahrungen bald auf deine Seele oder deinen Körper auswirken, z. B. Schlafstörungen, Depressionen, Magen-Darmprobleme.

    Du solltest sofort anfangen, ein Tagebuch über die Vorkommnisse zu führen. Wer hat was, wann zu wem gesagt und wer war noch dabei? Oder wer hat wann was getan und wer war noch dabei? Schreib dir alles möglichst genau auf. Auf dieses Tagebuch kannst du dann später zurückgreifen, es kann sehr nützlich sein, wenn du dich wehren willst.
    Du solltest möglichst früh Stellung beziehen, wenn du mit dem Verhalten von Kollegen oder Vorgesetzten dir gegenüber oder auch gegenüber anderen nicht einverstanden bist. Sage klar und deutlich, wenn du etwas nicht in Ordnung findest und benenne genau, was es ist! Denn so verschaffst Du Dir Respekt.

    Bitte die Person zu einem Gespräch. Überlege dir vor dem Gespräch einige Situationen und Beispiele, in denen das Verhalten der Person besonders verletzend und offensichtlich war. Beginne in dem Gespräch deine Sätze mit „Ich“. Sage also nicht: „Sie kritisieren mich ständig!“ sondern „Ich fühle mich ständig von Ihnen kritisiert und oft empfinde ich die Kritik als nicht gerechtfertigt!“. Versuche sachlich und selbstkritisch zu bleiben. Das Gespräch solltest du nicht alleine führen. Es ist sehr empfehlenswert, eine Person deines Vertrauens oder bestenfalls ein Betriebsratsmitglied mitzunehmen. Es ist auch empfehlenswert, das Gespräch zu protokollieren.

    Mobbing macht krank. Von daher ist es nicht verwunderlich, falls du unter psychosomatischen Problemen wie Schlafstörungen, Magen-/Darmprobleme, Herz-/Kreislaufprobleme oder unter psychischen Problemen wie Weinkrämpfe, depressive Verstimmungen, Angstsymptome leidest. Wenn die Belastung zu groß wird, solltest du einen Arzt aufsuchen und dich krankschreiben lassen.

    Falls dein Betrieb dich loshaben will und dir grundlose Abmahnungen erteilt oder dich kündigt, solltest du schnell reagieren und dich zur Wehr setzen. Hole dir hierbei auf jeden Fall Hilfe bei deiner zuständigen Gewerkschaft.

    Hier ist ein Kontakt für dich:
    ver.di Hamburg
    Besenbinderhof 60
    20097 Hamburg
    Tel.: 040/2858-100
    Fax: 040/2858–1279
    E-Mail: bezirk.hamburg@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....
    Solltest du weitergehende Hilfe in Anspruch nehmen wollen, gibt es eine Übersicht für Mobbingberatungsstellen unter folgendem Link: http:/​/​www.work-watch.de/​2012/​10/​hilfestellung-bei-mobbing/​

    Auch kannst du dich an deine Berufsschule wenden. Hier gibt es oftmals eine Berufsschulsozialarbeit, die dich unterstützt.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 11.10.2017 09:09:45


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