Deutscher Gewerkschaftsbund

Wechsel Ausbildungsbetrieb

Hallo Dr. Azubi

ich habe folgendes Problem:

ich arbeite seit knapp zwei Monaten in einem Pflegeheim. In dem Vorstellungsgespräch wurden mir viele Sachen versprochen, wie z.B. wenig Wochenendarbeit, gute Einarbeitung,eine Praxisanleitung die immer da ist und FAST NIE Feiertags arbeiten und Wunschurlaub von Azubis wird berücksichtigt, da wir ja keine vollen Kräfte sind,

Nun habe ich aber keine Einarbeitung erhalten und musste mir Tipps von anderen Azubis. Andere Azubis im dritten Lehrjahr erzählten mir, dass sie noch nichts weiter außer Körperpflege bei den Bewohnern machen durften und eine (!!!) Insulinspritze in drei Jahren.... Ich möchte allerdings so viel wie möglich lernen und nicht auch so "enden" Mein Praxisanleiter ist die Pflegedienstleitung, die nur im Büro ist. Zudem werde ich sehr oft für Wochenendarbeit eingeteilt und Urlaub SOLL ich monatlich immer NUR zwei Tage nehmen, wie soll man da bitte mal zur Ruhe kommen und in den Urlaub fahren?

Meine Klassenkameraden in der Berufsschule meinten , das ginge alles so nicht und ich solle mir einen neuen Betrieb suchen.

Meine fragen : ist das alles rechtens insbesondere die Sache mit dem Urlaub?
Und wenn ich innerhalb der Probezeit schriftlich kündige, muss ich dann noch einmal zu meinem Betrieb? das wäre mir nämlich sehr unangenehm....

sabine: 24.09.2017 15:53:38 |
  • RE: Wechsel Ausbildungsbetrieb

    Hallo sabine,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Die Beratung in diesem Forum basiert auf dem Berufsbildungsgesetz und das greift leider nicht für Pflegeberufe. Ich kann dir deshalb nur über die Sache mit dem Urlaub Auskunft geben, denn auch für dich gilt das Bundesurlaubsgesetz.
    Du hast einen Anspruch darauf, deinen Jahresurlaub im laufenden Kalenderjahr zu nehmen. Für Kalenderjahre, die du nicht voll arbeitest, hast du Anspruch auf anteiligen Urlaub. Die Übertragung des Urlaubes in das nächste Jahr ist nur aus wichtigen Gründen möglich. Nimmst du alten Urlaub mit in das neue Jahr, musst du den Urlaub in den ersten drei Monaten des neuen Jahres abbauen. Wenn dies bis Ende März nicht möglich ist, musst du unbedingt einen schriftlichen Antrag auf Übernahme des Resturlaubs stellen, sonst verfällt dein Urlaubsanspruch.

    Du darfst erst nach den ersten sechs Monaten deiner Ausbildung zum ersten Mal in Urlaub gehen. Ab diesem Zeitpunkt hast du auch Anspruch auf deinen vollen Jahresurlaub.

    Dein Urlaub sollte zusammenhängend gewährt werden und du hast einen Rechtsanspruch darauf, zwei Wochen deines Jahresurlaubs am Stück und in einer berufsschulfreien Zeit zu nehmen (§7 Bundesurlaubsgesetz).

    Leider gibt es aber häufig Probleme mit dem Zeitpunkt des Urlaubs. Das Bundesurlaubsgesetz sagt dazu, dass du dich mit deinem Ausbilder auf den Urlaubszeitpunkt einigen musst (§ 7 Bundesurlaubsgesetz). In der Praxis heißt das: Du stellst einen Urlaubsantrag und der Ausbilder darf dir den Urlaub nur dann verweigern, wenn wichtige betriebliche (zum Beispiel feststehender Betriebsurlaub), oder soziale Gründe (zum Beispiel Vorrang von Mitarbeitern mit Kindern) dagegen sprechen. Wenn es also in deinem Betrieb festgelegte Betriebsferien gibt, musst auch du dich daran halten. Aber häufig wird der Urlaub aus anderen Gründen verweigert, wie zum Beispiel Personalmangel. Dieser Grund ist nur in Ausnahmesituationen rechtens, denn der reibungslose Ablauf des Betriebes sollte nicht davon abhängen, ob der Azubi da ist oder nicht.

    Wenn du also deinen Urlaub planen willst, solltest du auf Nummer sicher gehen: Stelle einen schriftlichen Urlaubsantrag und bitte frühzeitig um mögliche Termine. Du solltest deinen Urlaubsantrag kopieren und dir die Abgabe des Urlaubsantrags schriftlich bestätigen lassen! Dein Ausbilder muss innerhalb von einem Monat auf deinen Antrag reagieren. Lass dir die Urlaubsgenehmigung für einen bestimmten Zeitraum ebenfalls schriftlich geben. So hast du im Streitfall einen Nachweis, und die Chancen stehen gut, dass du deinen gebuchten Flug in die Sonne auch antreten kannst! Reagiert der Ausbilder nicht innerhalb von einem Monat kannst du davon ausgehen, dass dein Urlaub genehmigt ist. Trotzdem musst du aufpassen, wenn sich der Ausbilder dann plötzlich quer stellt. Denn auch wenn du dich im Recht fühlst, weil der Urlaub schon genehmigt war: Eigenmächtiger Urlaubsantritt ist ein Kündigungsgrund! Wenn du dabei erwischt wirst, kann es zu einer fristlosen Kündigung durch den Ausbilder kommen (§22 Berufsbildungsgesetz). Wende dich in diesem Fall also lieber an deine Gewerkschaft und versuche deinen Urlaubswunsch mit legitimen Mitteln durchzusetzen.

    Tut mir leid, dass ich dir keine weiteren Infos geben kann. Du kannst dich aber auch an deine Gewerkschaft vor Ort wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di Geschäftsstelle Berlin
    Köpenicker Straße 30
    10179 Berlin
    Tel.: 030/8866-6
    E-Mail: bz.berlin@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 26.09.2017 11:16:08


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