Deutscher Gewerkschaftsbund

Bereitschaftsdienst?

Hallo:)
Habe nochmal eine Frage.
Bin jetzt im 3. Ausbilungsjahr und hatte diesen Samstag zum ersten mal an einem Wochenende frei und hab mich natürlich darauf gefreut.
Das Frei ging von den Überstunden weg (ÜF-ÜberstundenFrei)
Bei uns ist es so, dass das Überstundenfrei sozusagen „Bereitschaftsdienst“ ist.

Also man muss immer erreichbar sein & wenn was ist muss man sofort einspringen.

Heute (Samstag) bin ich an meinem freien Tag um 9:00 aufgewacht und hatte 13 verpasste anrufe und eine Whatsapp nachricht von meinem Chef, dass ich an meinem ÜF immer erreichbar sein muss, da mir sonst eine Abmahnung droht.
Vertraglich geregelt ist das übrigens nicht.
Ich musste an dem Tag lediglich meine Überstunden abbauen umd wollte mir einen schönen freien Tag machen.

Heisst ich müsste mich eigentlich um 7:00 in der Früh schon fertig machen und den ganzen Tag Zuhause sitzen und warten ob vielleicht ein Anruf kommt.

Gilt das dann als Bereitschaftsdienst und muss diese Zeit irgendwie bezahlt werden? Weil „Frei haben“ ist das ja wirklich nicht.

Liebe Grüße

Deborah: 23.09.2017 16:13:24 |
  • RE: Bereitschaftsdienst?

    Hallo Deborah,

    Danke für deine Anfrage im Forum.
    Wenn du frei hast, hast du frei! Du musst nicht erreichbar sein und auch nicht abrufbereit zuhause warten, ob dich jemand anruft. Wenn du Bereitschaftsdienst hast, dann muss dir das als Arbeitszeit angerechnet werden.
    Aus deiner Anfrage lese ich zudem heraus, dass du noch minderjährig bist. Deshalb will ich dir hier ein paar Infos zum Jugendarbeitsschutzgesetz geben:
    Für Minderjährige gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG). Die Arbeitszeit für Jugendliche ist nach Jugendarbeitsschutzgesetz auf acht Stunden täglich und auf vierzig Stunden in der Woche begrenzt. Beträgt die Arbeitszeit an einzelnen Tagen weniger als acht Stunden, können minderjährige Azubis an den anderen Arbeitstagen derselben Woche bis zu achteinhalb Stunden beschäftigt werden (§8 Jugendarbeitsschutzgesetz). Das gilt auch, wenn für Azubis eine Gleitzeitregelung gilt.

    Deine Arbeitszeit muss durch im Voraus feststehende Pausen unterbrochen werden (§11 Jugendarbeitsschutzgesetz). Bei einer Arbeitszeit zwischen viereinhalb und sechs Stunden hast du Anspruch auf mindestens eine halbe Stunde Pause, bei höheren Arbeitszeiten muss die Pause mindestens eine Stunde betragen.

    Zwischen 20 und 6 Uhr darfst du nicht beschäftigt werden. Es gibt jedoch Ausnahmen für bestimmte Gewerbezweige - zum Beispiel im Gastgewerbe und Bäcker - und für den Schichtbetrieb (§ 14 Jugendarbeitsschutzgesetz). Zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn müssen mindestens zwölf Stunden ununterbrochener Ruhezeit liegen (§ 13 Jugendarbeitsschutzgesetz)

    Für Jugendliche gilt grundsätzlich die Fünf-Tage-Woche (§15 Jugendarbeitsschutzgesetz). Der Samstag ist arbeitsfrei (§16 Jugendarbeitsschutzgesetz). Das gilt selbstverständlich auch für den Sonntag und für Feiertage (§17,18 Jugendarbeitsschutzgesetz). Ausnahmen von diesem Arbeitsverbot gibt es in Branchen wie der Gastronomie und der Landwirtschaft. Hier gelten spezielle Regelungen: Wirst du an einem Sonntag beschäftigt, muss dir in derselben Woche ein Ersatzruhetag gewährt werden. Wirst du an einem Feiertag beschäftigt, der auf einen Werktag fällt, muss dir innerhalb derselben oder der folgenden Woche ein Ersatzruhetag gewährt werden. Und: Am 25. Dezember, am 1. Januar, am ersten Osterfeiertag und am 1. Mai dürfen Jugendliche unter keinen Umständen beschäftigt werden!

    Du solltest nochmal das Gespräch mit deinem Ausbilder suchen. Zur Unterstützung könntest du auch deine Eltern mitnehmen. Sag ihm ruhig und sachlich, dass das Jugendarbeitsschutzgesetz keine Überstunden zulässt und auch keinen Bereitschaftsdienst vorsieht. Bitte ihn, sich an die gesetzlichen Vorschriften zu halten. Zudem solltest du an freien Tagen dein Handy ausschalten oder zumindest für deine Arbeit nicht erreichbar sein.

    Wenn das Gespräch nichts bringt, dann solltest du deinen Chef nochmals schriftlich auf deine Überstunden aufmerksam machen. Hier ist ein Musterbrief:
    Adresse Azubi
    Adresse Betrieb

    Ort/Datum
    Hinweis auf die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit

    Sehr geehrte/r Frau/Herr …...........,

    Laut Ausbildungsvertrag beträgt meine tägliche Arbeitszeit …. Stunden.
Die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit reicht aus, um die Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Trotzdem muss ich regelmäßig Überstunden leisten.

    Einige Beispiele:


    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Die Überstunden dienen oft nicht dem Ausbildungszweck.
Während der Überstunden ist häufig kein Ausbilder anwesend.
Diese Arbeitszeiten verstoßen zudem gegen das JArbSchG.
    Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, sich an die vertraglich festgelegte Arbeitszeit zu halten und Überstunden zukünftig nur noch in betrieblichen Notfällen anzuweisen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Unterschrift Azubi …..................
    Unterschrift gesetzl. Vertreter (Eltern)……………...

    Sollte sich auch daraufhin keine Besserung einstellen, dann solltest du deine zuständige Gewerkschaft vor Ort einschalten. Hier ist ein Kontakt:

    NGG Region Rosenheim-Oberbayern
    Brixstr. 2
    83022 Rosenheim
    Tel.: 08031 / 140 30
    region.rosenheim-oberbayern@ngg.net
    >www.ngg.net/​rosenheim-oberbayern

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 26.09.2017 10:18:57


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