Deutscher Gewerkschaftsbund

Promotion und Plagiat

"Warum sollte man in der Wissenschaft täuschen und in der Wirtschaft, der Kultur oder der Politik die Wahrheit sagen? Wer die Regeln wissenschaftlicher Integrität missachtet, zeigt kein wissenschaftliches, sondern ein moralisches, vielleicht sogar rechtliches Fehlverhalten. Wer als Klempner mit unerlaubtem Material arbeitet, zeigt kein klempnerisches, sondern ein rechtliches oder moralisches Fehlverhalten." (Gesine Schwan, 2011)1

Die Einhaltung wissenschaftlicher Standards sollte bei einer Promotion selbstverständlich sein, auch wenn man später nicht Bundesminister werden möchte. Werden Standards wissenschaftlichen Arbeitens dauerhaft missachtet, schadet das vor allem dem Wert und dem Einfluss von Wissenschaft.

Um die Einhaltung der anerkannten wissenschaftlichen Standards bei Promotionsschriften auch im Nachhinein besser prüfen zu können, fordert die Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI) generelle Verpflichtung zu Open-Access-Veröffentlichungen von wissenschaftlichen Qualifizierungsarbeiten. Eine derartige digitalisierte internetweite Veröffentlichung würde das Aufdecken von Plagiaten, wie es z.B. dem Wiki vroniplag bei mehr als einem Dutzend Arbeiten bereits gelungen ist, deutlich vereinfachen.

1Gesine Schwan am 24.02.2011 auf einer Veranstaltung der Hans-Böckler-Stiftung in Berlin:
Hier möchte ich einen kleinen Exkurs zum Vertrauen einschieben: Die Klage um den Vertrauensverlust ist allenthalben und nicht neu. Die Mittel dagegen werden weniger diskutiert. Das ist natürlich ein weites Feld. Aber die Komplexität moderner Gesellschaften mit ihren Teilbereichen macht Kontrolle der Spezialisierungen immer schwieriger und Vertrauen immer notwendiger.
Ohne vertrauenswürdiges Verhalten der Menschen können wir keine Abhilfe finden. Nur wenn jeder an seiner Stelle die Wahrheits- und Integritätsforderungen ernst nimmt, kann in der Gesellschaft als Ganzer wieder mehr Vertrauen entstehen.
Wer in der Wissenschaft Integritätsforderungen nicht beachtet, unterminiert nicht nur das System Wissenschaft, sondern das gesamtgesellschaftliche Vertrauen, das auf ein vertrauenswürdiges Wissenschaftssystem angewiesen ist. Der Volksmund sagt dazu mit Weisheit: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.“
Warum sollte man in der Wissenschaft täuschen und in der Wirtschaft, der Kultur oder der Politik die Wahrheit sagen? Wer die Regeln wissenschaftlicher Integrität missachtet, zeigt kein wissenschaftliches, sondern ein moralisches, vielleicht sogar rechtliches Fehlverhalten. Wer als Klempner mit unerlaubtem Material arbeitet, zeigt kein klempnerisches, sondern ein rechtliches oder moralisches Fehlverhalten.

 

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