Deutscher Gewerkschaftsbund

Mehr Schutz für Azubis

Der "Ausbildungsreport 2011" der DGB-Jugend zeigt: Unhaltbare ­Ausbildungsbedingungen müssen dringend bekämpft werden. Von René Rudolf

Für unseren diesjährigen Ausbildungsreport haben wir die Auszubildenden auch erstmals danach gefragt, wie sie sich während ihrer Ausbildung im Betrieb behandelt fühlen. Und knapp die Hälfte gab an, während der Ausbildung ungerecht behandelt worden zu sein oder noch immer zu werden. Besonders Frauen in den weiblich dominierten Berufen sind davon betroffen, sie werden dreimal so häufig wie Männer in den männlich dominierten Berufen ungerecht behandelt.

Bei fast zwei Drittel der Befragten kommt dies durch unbegründete Kritik an der Arbeit zum Ausdruck. Etwa die Hälfte benannte sinnlose Aufgaben. Ein Viertel der Befragten sah sich der Verbreitung von Gerüchten ausgesetzt, und gegenüber fast jedem und jeder fünften wurde Druck ausgeübt. Dabei wurde auch die Androhung oder Ausübung körperlicher Gewalt und sexuelle Belästigung genannt.

Die Ergebnisse dürfen unter keinen Umständen bagatellisiert werden: Ungerechte Behandlung lässt sich weniger auf persönliche Konflikte mit Vorgesetzten und KollegInnen zurückführen als vor allem auf strukturelle Ursachen innerhalb der Betriebe. Die Gegenprobe bringt es an den Tag: Wo die Rahmenbedingungen der Ausbildung stimmen und das Arbeitsklima gut ist, haben Auszubildende kaum den Eindruck, schlecht behandelt zu werden.

Ein anderes Thema: Grundsätzlich gelten für minderjährige Auszubildende die gesetzlichen Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG). In den letzten Jahren gab es immer wieder massive Angriffe auf das JArbSchG. Besonders die Arbeitgeber in der Hotel-und Gastronomiebranche forderten vehement eine Aufweichung des Schutzgesetzes - und die schwarz-gelbe Koalition nahm die Forderung gar in ihren Koalitionsvertrag mit auf. Dort steht: "Ausbildungshemmnisse im Gastgewerbe werden durch ein flexibleres Jugendarbeitsschutzgesetz abgebaut." Überflüssig festzustellen, dass auch die Ausbildungsqualität in dieser Branche am meisten zu wünschen übrig lässt.

Das JArbSchG als Ausbildungshemmnis zu bezeichnen, ist und bleibt eine nicht hinnehmbare Diffamierung. Junge Menschen benötigen ausreichend Schutz in der Ausbildung, insbesondere in der Startphase ihres Berufseinstiegs. Im Mai dieses Jahres ist der Abschlussbericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Überprüfung des JArbSchG erschienen. Dieser zeigt deutlich, dass eine weitere Ausdehnung der Arbeitszeit in die Abend- und Nachtstunden - wie von der Hotel- und Gastronomiebranche gefordert - die Gesundheit der Jugendlichen eindeutig gefährdet.

Es ist zu hoffen, dass die Debatte um eine Verschlechterung des Jugendarbeitsschutzes damit beendet ist und stattdessen endlich den Verstößen gegen das JArbSchG stärker nachgegangen wird. (Weiter geht's hier.)


René Rudolf ist DGB-Bundesjugendsekretär.


(aus der Soli aktuell 10/11, Autor: René Rudolf)

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