Deutscher Gewerkschaftsbund

Die heiße Phase

Am Ende der Ausbildung stehen oft brisante Fragen im Raum: Schaffe ich die Abschlussprüfung? Wie geht es weiter nach der Ausbildung im Betrieb? Damit es mit der Übernahme in ein festes Beschäftigungsverhältnis klappt, hier die neuesten Infos aus der Beratungspraxis.

Annika steht kurz vor ihrer Abschlussprüfung als Industriekauffrau. Sie hat Glück: Ihr Unternehmen hat ihr schon vor zwei Monaten eine Übernahme nach der Ausbildung angeboten - und sie kann sich nun voll und ganz auf die Abschlussprüfung konzentrieren.

Anderes sieht es bei Esther aus: Sie schreibt im "Dr. Azubi"-Forum: "Ich weiß nicht mehr weiter. In einem Monat habe ich meine Abschlussprüfung, und mein Chef will mich nicht übernehmen, hält mich hin. Ich halte diesen Druck nicht mehr aus. Was kann ich tun?"

Die Übernahme nach der Ausbildung in ein festes Arbeitsverhältnis ist ein wichtiger Schritt für junge Leute, um Berufserfahrung zu sammeln und sich zu qualifizieren. Leider gibt es keine gesetzlichen Regelungen, die eine generelle Übernahme nach der Ausbildung bindend festlegt. Falls es nicht gleich so positiv verläuft wie bei Annika, der ein Arbeitsverhältnis angeboten wird, können Auszubildende mit der Beachtung einiger Grundlagen und Tipps eine erfolgreiche Übernahme nach der Ausbildung erwirken.

Interesse und Engagement zeigen

Wer will schon einen unmotivierten Azubi einstellen? Deswegen heißt die Devise: Gerade am Ende der Ausbildung noch einmal anstrengen und Interesse, Motivation und Eigeninitiative zeigen. Auch wichtig: Engagement in der Berufsschule. Denn gute Noten sind natürlich auch ein Signal für eine gute Abschlussprüfung - und können entscheidend für eine Übernahme sein.

Werde frühzeitig aktiv
Es ist dein gutes Recht, schon frühzeitig aktiv zu werden und dich im Betrieb umzuhören: In welchen Bereichen werden Stellen frei, wo könntest du dir vorstellen, nach der Ausbildung zu arbeiten?

Ganz wichtig: Networking betreiben. Denn wenn niemand weiß, dass du gerne im Betrieb bleiben möchtest, wird auch nichts vorangehen. Die Initiative zu ergreifen ist dein gutes Recht, da du ja auch planen musst, wie es nach der Ausbildung weitergeht, falls es mit der Übernahme nicht klappen sollte. Sonst geht es einem wie Esther: Sie hat sich lange nicht getraut, die Übernahme anzusprechen. Und nun wurde ein anderer Azubi übernommen.

Vertraglich festgelegt werden kann eine Übernahme erst sechs Monate vor Ausbildungs­ende. Diese Regelung des Berufsbildungsgesetzes (BBIG; § 12 Abs. 1 Satz 1) soll Auszubildende davor schützen, dass sie sich schon von Anfang der Ausbildung an an ein Unternehmen binden müssen und in ihrer Berufsfreiheit eingeschränkt sind. Die heiße Phase beginnt also ca. ein halbes Jahr vor Ausbildungsende.

Den richtigen Zeitpunkt abwarten!
Hier ist Strategie gefragt! Den Chef zwischen Tür und Angel abzufangen, um ihn an einem stressigen Vormittag auf die Übernahme anzusprechen, ist meist wenig erfolgreich. Vereinbare am besten einen festen Termin mit deinem Vorgesetzten oder suche dir einen ruhigen Zeitpunkt für das Gespräch!

Natürlich müssen auch immer die Unternehmensabläufe beachtet werden. In einem Betrieb mit formellen Strukturen müssen diese natürlich auch eingehalten werden. Bereite das Gespräch gut vor und sammle Argumente in Form eines Mindmappings, warum du übernommen werden sollst.

Paragrafen-Dschungel: Anspruch auf Übernahme
In manchen Fällen ist eine Übernahme bindend geregelt, in einigen Tarifverträgen auf eine bestimmte Zeit festgelegt. Frage hierzu am bes­ten bei deiner zuständigen Gewerkschaft nach. Wenn du Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung bist, muss der Betrieb dich auf jeden Fall übernehmen und dir ein Stellenangebot machen.

Aber Achtung: Du musst den Antrag auf Übernahme innerhalb der letzten drei Monate vor Ausbildungsende schriftlich stellen (§ 78a Betriebsverfassungsgesetz).

Klappe zu - Ernst machen
Gratulation - dir wurde eine Übernahme zugesagt. Nun heißt es, die vertraglichen Regelungen auszuhandeln. Annika hat ihren Arbeitsvertrag erst an ihrem ersten offiziellen Arbeitstag erhalten - und es waren Gehaltskonditionen vereinbart, die nicht ihren Vorstellungen entsprochen haben.

Um diese Enttäuschungen zu vermeiden und nicht hingehalten zu werden, kann der Arbeitsvertrag auch schon in der Sechs-Monats-Frist vor Ausbildungsende abgeschlossen werden. Wird dir ein unbefristeter Arbeitsvertrag angeboten, dann kann eine erneute Probezeit sogar unzulässig sein: Und zwar dann, wenn du im erlernten Beruf beschäftigt wirst.

Und wenn es doch nichts wird
Falls es doch nicht klappen sollte, heißt die Devise: Nicht aufgeben, aktiv werden. Du kannst für Bewerbungszwecke schon ein vorläufiges qualifiziertes Ausbildungszeugnis von deinem Ausbilder verlangen. Dein endgültiges Zeugnis erhältst du dann mit Beendigung des Ausbildungsverhältnisses.

Verständlich ist, dass die Motivation bei Absage einer Übernahme nicht mehr 150 Prozent beträgt. Aber stark abfallende Leistungen wirken sich natürlich auch auf die Bewertung in deinem Zeugnis aus. Also: Zähne zusammenbeißen und durch.

Für Bewerbungsgespräche bei anderen Firmen muss dich dein Arbeitgeber sogar freistellen und weiterbezahlen. Damit es hier keine Probleme gibt, solltest du am besten einen schriftlichen Antrag stellen und genaue Angaben über dein Vorstellungsgespräch machen (§ 629 Bürgerliches Gesetzbuch).

Trick 17 - ein Versuch ist es wert
Falls du nach bestandener Abschlussprüfung weiterbeschäftigt wirst, ohne dass mit deinem Arbeitgeber ausdrücklich etwas vereinbart worden ist, hast du stillschweigend mit ihm ein Arbeitsverhältnis auf unbestimmte Zeit begründet (§ 24 BBIG). Ab diesem Zeitpunkt steht dir ein Facharbeiterlohn zu.

Auch wenn es nicht deine Traumstelle ist: Eine Übernahme macht sich immer gut im Lebenslauf.


Die DGB-Jugend hat im Jahr 2009 eine Studie zum Thema Übernahme veröffentlicht: www.dgb-jugend.de/ausbildung/meldungen/uebernahme


(aus der Soli aktuell 10/11, Autorin: Julia Kanzog)

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